Unfalltote im Straßenverkehr – Entwicklung zwischen 2010 und 2019

EU-weit ist die Zahl der Verkehrsopfer 2019 um 2 % gesunken.

Im Jahr 2019 wurden in den 27 EU-Mitgliedstaaten ca. 22 800 Verkehrstote erfasst. Dies sind fast 7 000 weniger als 2010 und entspricht einem Rückgang um 23 %. Im Vergleich zu 2018 sank die Zahl um 2 %. Dabei haben sich die Fortschritte trotz eines weiterhin rückläufigen Trends seit 2013 in den meisten Ländern verlangsamt, sodass das EU-Ziel, die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 (im Vergleich zu 2010) zu halbieren, verfehlt wird (siehe Abb. 1). Dennoch könnte sich 2020 als ein besonderes Jahr erweisen. Erste Anzeichen deuten nämlich darauf hin, dass aufgrund der Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus die Zahl der Verkehrstoten deutlich zurückgehen dürfte – wenn auch nicht genug, um das Ziel noch erreichen zu können.

Trotz Annäherung der Verkehrsopferzahlen weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern

Die Durchschnittszahl von 51 Verkehrstoten je eine Million EU-Einwohnern verstellt den Blick auf die Tatsache, dass zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten erhebliche Diskrepanzen bestehen. Zwar sind die Unterschiede im Bereich der Straßenverkehrssicherheit seit 2000 deutlich geringer geworden, andererseits aber ist die Zahl der Verkehrstoten im Land mit der schlechtesten Bilanz im Verhältnis immer noch viermal höher als in dem Land mit der niedrigsten Opferzahl.

Den vorläufigen Zahlen für 2019 zufolge waren Schweden mit 22 Verkehrstoten je eine Million Einwohner und Irland mit 29 die Länder mit der niedrigsten Opferbilanz, während Rumänien (96), Bulgarien (89) und Polen (77) die höchsten Werte meldeten.

Nur zwei Länder verzeichneten mehr als 80 Straßenverkehrstote je eine Million Einwohner – im Jahr 2010 war dies noch bei sieben Mitgliedstaaten der Fall. In mehr als der Hälfte der Mitgliedstaaten lag die Zahl unter 50 und in zehn Ländern unter 40.

Insgesamt acht Mitgliedstaaten (Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Kroatien, Lettland, Luxemburg und Schweden) verzeichneten 2019 ihre niedrigste jemals erfasste Zahl von Verkehrstoten.

In einem Drittel der Mitgliedstaaten ist die Zahl der Verkehrstoten seit 2010 um 30 % oder mehr gesunken.

Die Zahl der Unfalltoten im Straßenverkehr ist 2019 EU-weit um 2 % zurückgegangen. Schweden (‑32 %), Finnland (‑14 %) und Lettland (‑12 %) verzeichneten den stärksten Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Nicht berücksichtigt sind Länder mit weniger als 100 Unfalltoten pro Jahr, da dort große jährliche Schwankungen wahrscheinlicher sind. Doch auch in Ländern mit mehr als 100 Todesopfern können die Zahlen stark schwanken, so beispielsweise in Schweden, das 2018 einen Anstieg von 28 % und im Folgejahr einen Rückgang um 31 % verzeichnete. Im Gegensatz dazu stiegen in Dänemark die Zahlen um 20 % deutlich an, während die Zunahme in der Slowakei (+7 %), in Litauen (+6 %) und Belgien (+6 %) geringer ausfiel.

Betrachtet man den langfristigen Trend, so ist im Zeitraum 2010-2019 die Zahl der Verkehrstoten auf den europäischen Straßen im Durchschnitt um 23 % gesunken. Ziel der EU ist es, die Zahl der Unfalltoten im Zeitraum 2010-2020 um 50 % zu verringern. Ein Drittel der Mitgliedstaaten konnte die Zahl der Verkehrstoten seit 2010 um 30 % oder mehr verringern, wobei Griechenland den stärksten Rückgang verzeichnet (-45 %). Neben Griechenland, Spanien, Portugal und Irland (die alle im Rahmen des Kohäsionsfonds gefördert wurden bzw. werden) gehören auch die drei baltischen Staaten (Lettland, Litauen und Estland) zu den Ländern, in denen die Opferzahlen überdurchschnittlich zurückgegangen sind. Zu den Daten der einzelnen Länder siehe Abb. 2 und Abschnitt 4.

Auswirkungen des Brexit

Alle Gesamtzahlen für die EU bilden nun die Lage ohne das Vereinigte Königreich ab. Während sich dadurch die Zahl der Verkehrstoten in der Union insgesamt automatisch verringert, erhöht sich die Quote je eine Million Einwohner, weil das Vereinigte Königreich eine vergleichsweise gute Verkehrssicherheitsbilanz aufweist. So würde etwa der EU-Wert von 51 Verkehrstoten je eine Million Einwohner im Jahr 2019 nur 48 betragen, wenn das Vereinigte Königreich mit berücksichtigt würde, und der EU-Wert von 67 Verkehrstoten je eine Million Einwohner für das Jahr 2010 läge bei nur 63.

Detaillierte Statistik zur Sterblichkeit im Straßenverkehr

Detaillierte Daten für 2019, aufgeschlüsselt nach Straßentyp, Verkehrsmittel, Alter und Art der Opfer, liegen noch nicht vor. Die folgenden Angaben basieren auf einer Analyse von Straßenverkehrssicherheitsstatistiken bis einschließlich 2018.

Fast 40 % der tödlichen Verkehrsunfälle ereignen sich in städtischen Gebieten.

53 % aller Straßenverkehrsunfälle mit Todesfolge im Jahr 2018 ereigneten sich auf Landstraßen, 38 % in städtischer Umgebung und 9 % auf Autobahnen. EU-weit starben 2018 ca. 20 Menschen je eine Million Einwohner auf Straßen in Siedlungsgebieten. Allerdings ist dieser Wert je nach Mitgliedstaat sehr unterschiedlich und liegt in der Regel in den meisten Ländern Nord- und Westeuropas unter dem EU-Durchschnitt. In Bulgarien, Griechenland, Kroatien, Malta, Polen, Portugal, Rumänien und Zypern wiederum kamen mehr Menschen in städtischen Gebieten zu Tode als auf Landstraßen.

Wer sind die Opfer?

70 % aller Unfalltoten in städtischen Gebieten sind ungeschützte Verkehrsteilnehmer

45 % aller Verkehrstoten sind Autoinsassen (Fahrer und mitfahrende Personen), 26 % Zweiradfahrer und 21 % Fußgänger.

Verkehrsunfälle, die sich in städtischen Gebieten ereignen, unterscheiden sich von solchen auf Landstraßen und Autobahnen. Im städtischen Raum am stärksten betroffen sind Fußgänger (und nicht Fahrzeuginsassen): fast 40 % der Getöteten sind Fußgänger, 12 % Radfahrer und 18 % Kraftradfahrer. Somit gehören 70 % aller Unfallopfer in städtischen Gebieten zur Gruppe der besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmer. Außerhalb des städtischen Raums liegt dieser Anteil bei 32 %.

EU-weit handelt es sich bei drei Vierteln aller Personen, die im Straßenverkehr zu Tode kommen, um Männer (76 %). Dieses Muster ist allen Mitgliedstaaten gemein und seit 2010 relativ unverändert.

2018 kamen in städtischen Gebieten deutlich weniger Autoinsassen ums Leben als 2010 – bei den Radfahrern hat sich die Situation dagegen verschlechtert

Zwischen 2010 und 2018 ist die Zahl der Verkehrstoten insgesamt gesunken (um durchschnittlich 21 %), wobei sich dieser Rückgang bei Autofahrern und Fahrzeuginsassen in vergleichsweise schnellerem Tempo vollzog (-26 %). Demgegenüber sank die Zahl der getöteten Radfahrer im selben Zeitraum nur um 5 %.

Betrachtet man nur die städtischen Gebiete, so ist die Zahl der im Verkehr getöteten Radfahrer zwischen 2010 und 2018 sogar um 1 % gestiegen. Auch die Zahl der Fußgänger, die in städtischem Gebiet zu Tode kommen, ging langsamer zurück (-18 %) als die Gesamtzahl der Verkehrsopfer.

Auf jede Person, die bei einem Straßenverkehrsunfall ums Leben kommt, entfallen statistisch gesehen etwa fünf Personen mit schweren, oft lebensverändernden Verletzungen. Schwere Verletzungen verursachen aufgrund des langwierigen Rehabilitations- und Krankenpflegebedarfs oft höhere Kosten für die Gesellschaft. Bei der Mehrzahl dieser Verletzten handelt es sich um ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger oder Rad- bzw. Kraftradfahrer, und in den Städten fällt ihr Anteil an den Verletzten noch höher aus.

Mehr als ein Viertel aller Todesopfer sind ältere Menschen – proportional betrachtet kommen auf der Straße jedoch mehr junge Menschen ums Leben

Der Anteil der 2018 im Straßenverkehr getöteten Personen, die 65 Jahre und älter sind, betrug 28 %. Berücksichtigt man nur die Innerortsstraßen, liegt dieser Anteil sogar bei 38 %. Menschen dieser Altersgruppe, die zu Fuß gehen, sind besonders gefährdet und machen 58 % aller auf Innerortsstraßen getöteten Fußgänger aus.

13 % der Verkehrstoten auf den Straßen der EU sind zwischen 18 und 25 Jahre alt, obgleich nur 8 % der Bevölkerung dieser Altersgruppe angehören. Für junge Menschen ist damit die Wahrscheinlichkeit, in einen tödlichen Verkehrsunfall verwickelt zu sein, überproportional hoch. Die meisten der bei Verkehrsunfällen getöteten jungen Menschen (64 %) waren Fahrer oder Autoinsassen und nur 8 % Fußgänger.

Der Anteil junger Menschen unter den Verkehrsopfern ist zwischen 2010 und 2018 stark gesunken, der Anteil der Senioren stieg leicht an

Generell nimmt das Durchschnittsalter der Verkehrsopfer in der EU zu: Der Anteil der Menschen über 65, die 2018 bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben kamen, betrug 28 % gegenüber 22 % im Jahr 2010. Zwischen 2010 und 2018 ist die Zahl der Verkehrsopfer, die 65 oder älter sind, um 2 % angestiegen. Im Gegensatz dazu ging die Zahl der Opfer in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen um 43 % zurück.

Welche Schritte wurden in jüngster Zeit auf EU- und internationaler Ebene unternommen, um die Straßen sicherer zu machen?

EU-Ebene

Als Teil ihres Pakets „Europa in Bewegung“ veröffentlichte die Kommission im Mai 2018 den Entwurf eines EU-Rahmens für die Politik im Bereich der Straßenverkehrssicherheit 2021-2030 sowie einen strategischen Aktionsplan zur Straßenverkehrssicherheit. Darin wurden ehrgeizige Pläne für Lenkungsmaßnahmen im Bereich der Straßenverkehrssicherheit, für finanzielle Unterstützung, Infrastruktur, Fahrzeuge, sichere Straßennutzung, Notfalldienste, neue Herausforderungen und die globale Dimension dargelegt. Im Juni 2019 veröffentlichte die Kommission Einzelheiten darüber, wie sie ihren Aktionsplan umsetzen will.

http://europa.eu/rapid/press-release_IP-18-3708_de.htm

Der Aktionsplan bekräftigt das langfristige Ziel der EU, die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten und schwer Verletzten bis zum Jahr 2050 auf nahezu Null zu bringen. Die neuen Zwischenziele tragen der Erklärung von Valletta der Verkehrsminister von 2017 Rechnung und bestehen darin, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten zwischen 2020 und 2030 um 50 % zu senken.

(Quelle: Statistisches Bundesamt)

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